Illustration eines Kopfes mit Zahnrädern im Gehirn

Das Mensch-Maschine-Dilemma
Oder: Wer der wichtigste Leser Ihrer Internettexte ist

Texte werden von Menschen für Menschen geschrieben. Möchte man zumindest meinen. Anbieter kommerzieller Websites und Suchmaschinenoptimierer (neudeutsch: Search Engine Optimizer oder kurz „SEOs“) sehen das allerdings etwas anders …

Ihr Ziel ist es, Texte für das Internet so anzulegen, dass die betexteten Seiten eine möglichst hohe Platzierung in den Ergebnissen von Suchmaschinen erzielen. Unter Umständen auch auf Kosten der Lesbarkeit für menschliche Leser.

Für wen sollten die Internettexte kommerzieller Webangebote nun also optimiert werden? Für Mensch oder Maschine? „Schreiben Sie Ihre Internettexte für Menschen, nicht für Suchmaschinen“, ratschlagen selbst erfahrene Internettexter immer wieder. Doch ganz so einfach ist die Sache eben nicht. Versuchen wir, uns der Frage analytisch zu nähern: Tatsache ist, dass Ihr Zielpublikum in erster Linie menschliche Leser sein werden. (Es sei denn, Sie schreiben Texte, die später von außerirdischen Wesen gefunden werden sollen. Das ist allerdings relativ sinnlos. Dazu später mehr.) Wenn jenem menschlichen Publikum Ihr Angebot nicht gefällt, nützen Ihnen selbst die bestmöglich suchmaschinenoptimierten Texte nicht viel. Roboter bestellen im Internet nichts. Andererseits wird vielleicht selbst Ihre außerirdische Leserschaft nicht suchmaschinenoptimierte Webseiten gar nicht erst finden.

Es gibt allerdings einen sehr guten Weg aus diesem Dilemma: Schreiben Sie Ihre Internettexte für Mensch und Maschine! Unter Beachtung der folgenden Zeilen kann es durchaus gelingen, beide zufrieden zu stellen. So unterschiedlich sind die textlichen Vorlieben der so grundverschiedenen Leserschaften nämlich gar nicht.

Beispiel Überschriften: Das Aufteilen längerer Texte in Sinnabschnitte hilft Mensch und Maschine gleichermaßen bei ihrer Erfassung. Bewährt hat sich, die Hauptüberschrift mit dem h1-Tag, Überschriften niedrigerer Ordnung mit den Tags h2 bis h4 auszuzeichnen.

Ob in der Überschrift oder im Fließtext: Suchmaschinen erwarten die höchste Keyworddichte zunächst am Anfang und schließlich am Ende von Texten. Erfahrungsgemäß bevorzugen sie am Textanfang die zwei- bis dreimalige Nennung. Und zwar möglichst als eines der ersten drei Worte der Überschrift und am Anfang des darunter stehenden Texts. Am Ende von Texten sind die Keywords ebenso wichtig. Um Sie möglichst lesefreundlich wieder häufiger aufzugreifen, empfiehlt es sich, als Abschluss längerer Abhandlungen eine kurze Zusammenfassung anzulegen. Für die Häufigkeit von Keywords gilt dabei grundsätzlich Folgendes: Was menschlichen Lesern bereits unnatürlich erscheint, lässt Suchmaschinen ebenfalls stutzen. Eine übermäßig hohe Keyworddichte interpretieren Suchmaschinen als Spamversuch (Keyword Stuffing) und bestrafen die entsprechenden Seiten mit einem schlechten Ranking. Wenn Sie das Gefühl haben, zu viel des Guten getan zu haben, sollten Sie ab und an lieber einen anderen Begriff verwenden. Wenn Sie unsicher sind, können Sie auch dieses Online-Tool zur Ermittlung der Keyworddichte benutzen.

Für ein gutes Ranking wesentlich entscheidender als die Keyworddichte ist übrigens ohnehin ein ganz anderes Textmerkmal: Die Qualität seines Inhalts. Das beste Mittel für erfolgreiche Internettexte sind immer noch nützliche, interessante und möglichst einzigartige Inhalte. Und selbst in diesem Punkt sind sich Mensch und Maschine einig: Von bereits indexierten Seiten kopierte Texte finden Suchmaschinen so langweilig, dass Sie solchen „Duplicate Content“ mit schlechten Rankingpositionen bestrafen.

PS: Ich wollte Ihnen ja noch erzählen, warum es ziemlich sinnlos ist, Internettexte für außerirdische Wesen zu schreiben. Nun, die Sache liegt so: Das Internet hinterlässt bisher keine Spuren im All. Allerdings durchdringen die von der Erde abgestrahlten Radiowellen das Weltall bis in weit entfernte Ecken. Es könnte also sein, dass die Außerirdischen längst unser Radio- oder Fernsehprogramm empfangen. Man kann dann weiter annehmen, dass sie keine Lust mehr haben, eine besonders lange Reise auf sich zu nehmen, um uns näher kennenzulernen.