Bullshit-Bingo auf Webseiten
Oder: 10 Bullshit-Phrasen, die Sie auf Ihrer Website vermeiden sollten

Die schlechtesten Formulierungen für Geschäftsbriefe hatten wir ja schon. Widmen wir uns heute also einmal den plattesten aller Plattitüden im Internet. Und obwohl solche Bullshit-Phrasen plattgetretener kaum noch sein könnten, lauern sie auf unzähligen Webseiten immer noch auf ihre nichts zahlenden Besucher.

Hereingetreten, verehrtes Publikum! Wir starten mit einer spektakulären Überschrift, für die Google nicht weniger als 10.000, was sage ich, nicht weniger als 50.000, nein, sogar mehr als 150.000 Treffer liefert … Manege frei!

 

1.a) Herzlich willkommen auf unserer Website!

1.b) Herzlich willkommen bei Firma XY!

Applaus, Applaus, Applaus! Und herzlich willkommen in den belanglosesten Überschriften aller Zeiten!


2. Service wird bei uns groß geschrieben.

Ich werd‘ verrückt!!! Und das, obwohl Service ein Substantiv ist, das sowieso immer groß geschrieben wird.


3. Qualität ist uns wichtig.

Falsch! Qualität ist auch ein Substantiv. Oder das beste Rezept. Egal. Hauptsache, das Publikum macht sich ob solch spannender Aussagen vor Staunen in die Hose!


4. Bei uns bekommen Sie alles aus einer Hand.

Will heißen: Sie haben einen konkreten Ansprechpartner für alle (mit Sicherheit auftretenden) Beschwerden!


5. Bei uns ist der Kunde noch König.

Das alleees und noch viel meeeeehr,
würd‘ ich sagen,
wenn es weniger phrasenhaft wäääääär …


6. Wir verstehen uns als modernes Dienstleistungsunternehmen …

Na also! Immerhin verstehen die sich selbst. Und mit den Worthülsen, die nach dieser Phrase auftauchen, kann man auch immer wunderbar Bullshit-Bingo spielen! Besonders schön fand ich den Zusatz auf der Website einer Zahnarztpraxis: „… mit patientenzentriertem Service.“


7. Wir helfen Ihnen gerne

… Geld für Dinge auszugeben, die Sie garantiert nicht brauchen.
… Geld auszugeben, das Sie gar nicht haben.
… wieder raus, wenn Sie nicht zufrieden sind.


8. Die Bedürfnisse unserer Kunden stehen bei uns im Mittelpunkt.

Also bloß nicht so schüchtern, wenn alle klatschen, während Sie das Firmenklo betreten!


9. Ihre Zufriedenheit ist unser Ziel.

… Und gaaanz sicher ist keine der mehr als 160.000 Websites deutscher Unternehmen mit diesem Satz zu viel.


10. Diese Seite befindet sich im Aufbau.
Bitte besuchen Sie uns bald wieder!

Unbedingt! Wer wartet denn nicht gerne bis zum Sankt Nimmerleinstag und speichert solche Seiten sofort in seinen Favoriten? Wäre doch auch zu blöd, sich nach nur zwei Mausklicks bei einem Anbieter zu befinden, der tatsächlich etwas anbietet.

 

 Falls sich eine dieser Plattitüden auf Ihrer Website befindet, überweisen Sie mir bitte 5 Euro für das Phrasenschwein. Anschließend entsorgen Sie jegliches Geschwafel am besten in Ablage P und beschreiben die echten Mehrwerte, die Sie Ihren Kunden (hoffentlich) bieten können.

 

Das nächste Mal beschäftigen wir uns übrigens mit Philosophie-Bullshit auf Webseiten. Da gibt es nämlich ebenfalls eine Menge auszumisten. Bis dann!

Bin ich ich oder wir(r)?
Oder: Kundenansprache vs. Kundenverarsche

Vor einiger Zeit brachte mich eine Frage zum Schmunzeln, die in einem Forum gestellt wurde.

Dort wurde gefragt, ob man das eigene Unternehmen auf der Website lieber in der Ich-Form oder in der Wir-Form präsentieren sollte. Eigentlich ganz einfach, oder doch nicht? Wenn mehrere Personen in einer Firma arbeiten, dann sind die wir. Wenn ich als einzige Person eine Firma betreibe, dann bin ich ich.

Aber tatsächlich bin ich selbst schon mehr als einmal auf einer Website gelandet, auf der konsequent „Wir beraten sie…, Wir sind für Sie da…, unsere Lösungen… etc.“ in die Tasten gehauen wurde, obwohl sich relativ schnell der Verdacht aufdrängte, dass es sich um eine One-Man-Show bzw. eine One-Women-Show handelt. Der Fall ist klar: Das „wir“ soll das Know-how und die Tatkraft mehrerer Mitarbeiter suggerieren.

„Ich möchte „wir(r)“ schreiben, weil eine größere Firma vielleicht keinen Auftrag an eine einzelne Person vergibt“, hieß es in dem Forum in etwa. Richtig ist: Eine „größere Firma“ vergibt keinen Auftrag an eine Person, die für die gestellten Anforderungen nicht qualifiziert ist. Und den Einzelnen, der vorgab, mehrere Personen zu sein, verklagt sie hinterher höchstens wegen Betrugs. So ist das!

In aller Regel wird es allerdings nicht einmal zur Auftragsanbahnung kommen. Das Vertrauen, dass durch die Kraft vieler Köpfe und Hände vorgegaukelt werden soll, weicht im Zweifelsfall schnell gesundem Misstrauen. Klick auf das Impressum. Aha, eine Einzelfirma. Verdacht Bestätigt. Klick auf „Über uns“. – Keine Mitarbeiter zu sehen! Nächster Klick: Zurück zur Suchmaschine. Der potentielle Kunde ist weg. Und falls er doch anruft und mit der Abteilung „Verkauf“ sprechen will oder sich bei einem Besuch des mehrstöckigen, auf der Website abgebildeten Firmengebäudes ein persönliches Bild vom vorgeschwindelten Mitarbeiterstab machen möchte, wird es richtig peinlich.

Alleine zu sein, muss nicht peinlich sein!

Wenn Sie Single sind, präsentieren Sie Ihre Persönlichkeit und die Vorteile, die es nur bei Ihnen gibt, anstatt sich Vertrauen auf Wackelstelzen zu erschleichen. Freelancer und Einzelkämpfer sind durchaus gefragt und ausgewachsenen Unternehmen mitunter vorzuziehen, weil sie oft…

  • flexibler sind
  • kostengünstiger sind
  • exakt das benötigte Spezialwissen auf der Pfanne haben
  • bereit sind, auch außerhalb der üblichen Bürozeiten das Telefon oder die Beine in die Hand zu nehmen
  • nicht ständig zu einem Kollegen durchstellen wollen, der die gestellte Frage vielleicht beantworten könnte, aber leider gerade im Urlaub ist

Also, liebe Singlefirmen: Vergesst wir! Seid ihr! Single zu sein ist in!
Und der Ehrliche hat den Längsten…

…Atem.