Besser schreiben - Texte mit Stil
Meister fallen leider nur selten vom Himmel. Mit dem Texten ist es eben ein bisschen so wie mit dem Musizieren oder dem Malen – Manch einer ist von Natur aus mit Talent gesegnet und ein anderer braucht etwas länger zum guten Ergebnis.
Ob Novize oder fast schon Meister: Besser werden geht immer! Die folgenden praktischen Tipps sind der erste Schritt zum besseren Schreibstil.
Behördendeutsch Nr. 1:
„Gegen Ende des Satzes ist mir der Verstand ausgegangen“
Diejenigen unter Ihnen, die schon mal in den Lesegenuss eines Gesetzestextes gekommen sind, wissen sicherlich, wovon ich spreche.
Vermeiden Sie lange und durch viele Kommata getrennte Schachtelsätze! Die Möglichkeit, aus einem langen Satz zwei kurze Sätze zu machen, besteht immer. Erstens ist das eleganter, zweitens hilft es dem Leser, leichter zu folgen.
Faustregel: Sätze mit mehr als 30 Wörtern sollten Sie vermeiden.
Behördendeutsch Nr. 2:
Deutsch direkt aus Holperdorp
Sicher haben Sie sich auch schon oft durch Texte quälen müssen, die steifer als jedes Brett sind.
Gegen Sachlichkeit an den richtigen Stellen ist nichts einzuwenden. Gestelzte oder schwer verständliche Texte sind allerdings ein Verkaufskiller.
Besonders angenehm und lebendig wirken Texte dann, wenn sie in etwa so geschrieben sind, wie sie auch gesprochen würden. Klingt eigentlich logisch, oder? Diese Feststellung bringt uns zum nächsten Tipp…
Sprechen Sie Fachchinesisch?
Was in wissenschaftlichen Abhandlungen oft schon kaum Sinn macht, ist im Außenauftritt eines Unternehmens völlig fehl am Platz.
Anscheinend möchten manche Verfasser mit reichlich Fachchinesisch ihr Fachwissen zum Ausdruck bringen. Und stellen sich damit selbst ein Bein: Solche Texte liest man nur, wenn man unbedingt muss. Potentielle Kunden werden damit sofort vertrieben!
Machen Sie sich immer bewusst, für wen Sie schreiben. Für ein Fachpublikum oder für Kunden, die möglicherweise kein Vorwissen haben?
Eine Einbuße an Seriosität brauchen Sie nicht zu befürchten. Im Gegenteil: Ihr Publikum wird sogar dankbar sein, wenn Sie ein kompliziertes Thema verständlich auf den Punkt bringen konnten.
Und: Kunden kaufen nur Produkte, deren Nutzen sie verstanden haben!
Do you speak denglisch?
Die Verwendung englischer Begriffe kann durchaus Sinn machen, wenn sie sich eingebürgert haben oder sich keine passende deutsche Entsprechung findet.
Einen Fußballtrainer als „Ausbilder“ oder „Übungsleiter“ zu bezeichnen, macht keinen Sinn. Aber erzählen Sie einem Zeitschriftenhändler mal, das sein Kiosk ab jetzt ein „Point of Sale“ ist.
Besonders im Finanzsektor oder im IT-Bereich hält die Verwendung von Begriffen Einzug, die ihre eigenen Fachleute zum Teil verblüfft. Statt Unterstützung und Leistungen werden nur noch „Support and Solutions“ (Manchmal sogar Support und Solutions!) angeboten, Kundenbeziehungen sind Customer Relationships und Daten werden auf „Fact Sheets“ notiert. Ehrlich: Das ist wirklich Schiet!
Und jetzt noch was:
Vergessen Sie eine alte Regel, die Sie vielleicht noch in der Schule gelernt haben: Einen Satz niemals mit Konjunktionen (Bindewörtern) wie „und“, „oder“, aber“ oder „weil“ zu beginnen. Besonders logische Folgerungen oder Ergänzungen lassen sich manchmal ganz wunderbar damit abheben.
Und das können Sie mir ruhig glauben.
Beleidigen Sie Ihre Leser ab und zu!
Okay, das ist ein weniger guter Tipp. Aber ein prima Beispiel für eine Überschrift, die Lust auf mehr macht. Denken Sie sich Überschriften aus, die neugierig machen und zum Weiterlesen einladen!
PS: Alte Werbetexterweisheit: Die bessere Überschrift gewinnt!
Aktiv statt Passiv
Ein besonders einfaches Mittel, frischere Texte zu zaubern: Passiv formulierte Sätze ausmisten.
Statt: Die Maschine wurde von uns entwickelt.
Schreiben Sie besser: Wir haben eine Maschine entwickelt.
Satzlängen variieren
Texte mit durchgängig langen Sätzen wirken eintönig und wenig interessant. Dabei ist es besonders leicht zu ändern: Variieren Sie die längen Ihrer Sätze und sie erhalten Texte mit mehr Pfiff. So wie hier.
Zur Sache kommen
Der Verzicht auf Floskeln, lange Einleitungen und Drumherum-Gerede sorgt für knackigere Formulierungen und schont die Zeit der Leser.
Unnötigen Textballast sollten Sie immer ersatzlos streichen! Wenn Sie zwei Textversionen haben, ist die kürzere Version fast immer auch die bessere.




